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Dr. Martins Coco Drink geht neue Wege

Autor: Karin Heinze

Anfang Juni 2010 war der erste Probedurchlauf für die neue Fabrikationsanlage in Tabasco, Mexiko. Der Anbau und die Verarbeitung von Kokosnüssen zur Gewinnung von Dr. Martins Coco Drink soll in Zukunft in dem mittelamerikanischen Land stattfinden. Für das ambitionierte Projekt wurde im Herbst 2009 eigens die Green Coco Holding AG, in der Schweiz gegründet. Ziele sind die nachhaltige Rohstoffbeschaffung, Transparenz vom Acker bis auf den Tisch der Verbraucher und die Garantie fairer Wertschöpfung im Ursprungsland. Wir sprachen mit Dr. Steffen Borzner, Mitgründer und Verwaltungsratsmitglied der Green Coco Holding AG.
(Bild von links: Dr. Martins und Dr. Borzner)

 

Herr Borzner, Dr. Antonio Martins Coco Drinks verkaufen sich offensichtlich sehr gut, wenn jetzt sogar eine eigene Green Coco Holding gegründet worden ist. Was waren die Motive dafür?

Ja, wir können tatsächlich auf eine Erfolgsstory zurückschauen, und die Nachfrage ist ungebrochen. Wir exportieren in über 18 Länder und freuen uns derzeit über den wachsenden Wettbewerb, der das Geschäft beflügelt. Das Thema Kokossaft aus der jungen grünen Kokosnuss, seine isotonischen Eigenschaften und die ausgewogene Mineralisierung werden immer stärker in den Medien aufgegriffen. Bislang haben wir den Kokossaft aus biologisch angebauten grünen Kokosnüssen aus Brasilien und Sri Lanka bezogen, doch unser Ansatz war schon immer ein anderer. Wir wollen die Supply Chain von Anfang an in eigenen Händen haben und betreuen. Für die Verwirklichung dieses Wunsches haben wir einen hohen Finanzbedarf, deshalb haben wir, d.h. Dr. Antonio Martins, seine Frau Hannelore Martins da Cunha, Stefan Reiß, Christian Heyner und meine Wenigkeit entschieden, die Green Coco Holding AG zu gründen. Es werden ausschließlich vinkulierte Namensaktien ausgegeben, Spekulation ist dadurch nicht möglich.
(Bild: Bartholomae und Steffen Borzner mit frisch geernteten Kokosnüssen)

Warum haben Sie die Holding in der Schweiz gegründet?

Es gibt eine ganze Reihe von Motiven eine AG in der Schweiz zu gründen. Da sind die rechtlichen Rahmenbedingungen. Diese sind in der Schweiz viel einfacher gestaltet. Die Bestimmungen des schweizerischen Aktienrechts und die Gründungsvoraussetzungen sind insbesondere auch auf kleinere, nicht börsennotierte Gesellschaften ausgerichtet. Daher ist es kostengünstiger, eine Aktiengesellschaft in der Schweiz zu gründen. Eine Investition in eine auf Schweizer Franken lautende Aktie ist angesichts der aktuellen Situation im Euro-Raum eine sichere und wertstabile Geldanlage. Das sind Aspekte, welche besonders für langfristig denkende Investoren und Aktionäre von Bedeutung sind. Die Schweiz als Wirtschaftsstandort für Finanzen bietet gerade für kleine Holding-Gesellschaften ein unkompliziertes und steuerlich attraktives Umfeld. Die Intellectual Property, d.h. Marken, Know-how und Patente sind für die Green Coco-Gruppe von zentraler Bedeutung. Die Schweiz kennt eine langjährige Tradition im Marken- und Patentwesen. Auch dies war ein Grund, sich für die Verortung der Gesellschaft in der Schweiz zu entscheiden.
(Bild: Senior Miguel Bosch und Gilbert Evaristo, CEO der green coco Mexico)

Warum der Standort Mexiko?

Hier gibt es ebenfalls eine Reihe guter Gründe. Erstens, Dr. Martins Intention ist es, einen Teil der Wertschöpfung im Ursprungsland des Rohstoffes zu belassen, d.h. die Verarbeitung der grünen Kokosnüsse geschieht vor Ort, und nur die Abfüllung in Flaschen und Elopacks aus den Bulktanks wird noch in Europa erfolgen. Zweitens, Mexiko hat ein großes Potenzial als Kokosnuss-Produzent, im Land stehen wilde Kokospalmen, die eine theoretische Ernte von über 300 Mio. Nüssen pro Jahr ermöglichen. Drittens, Mexiko ist ein aufstrebender internationaler Industriestandort mit der entsprechenden Infrastruktur, und zudem haben wir mit diesem Standort die kürzeste Entfernung zu den Absatzmärkten im Vergleich zu den jetzigen Rohstoff-Ländern.

Wann werden Sie nur noch in Mexiko produzieren? Wollen Sie von dort aus auch den US-Markt erobern?

Es ist unser mittelfristiges Ziel, mit unserer Holding-Tochter, der Green Coco Mexico S.A., möglichst 100% des Bedarfs unserer Kunden und Handelspartner mit qualitativ hochwertigem Bio-Kokossaft aus Mexiko abzudecken. Um dies zu gewährleisten, entwickeln wir aktuell einen ersten umfangreichen Standort im Bundesstatt Tabasco. Hier haben wir gegenwärtig über 1200 ha unter Vertrag. Tabasco liegt auf der Seite des Golfs von Mexiko. Ein zweiter Standort befindet sich gerade in der Planungsphase und wird auf der Westseite im Bundesstaat Guerrero entwickelt. Mit den USA haben wir eine der umsatzstärksten Volkswirtschaften der Welt direkt vor der Tür. Schon jetzt haben wir einen sehr regen Nachfragemarkt nach Bio-Kokosrohstoffen, die nach unseren Qualitätsansprüchen angebaut werden. Zudem ist Bio in den USA ein sehr dynamisch aufstrebender Markt. Der Trend hin zu gesunden, nachhaltigen und biozertifizierten Lebensmitteln ist auch in den USA in viel Teilen der Bevölkerung angekommen.

Kokosnüsse geben ja noch eine Menge mehr her als den wertvollen Saft der grünen Nüsse und die Kokosmilch. Ist in Verwertung weiterer Rohstoffe der Frucht etwas geplant?

Cocos nucifera wird ja auch als Baum des Lebens bezeichnet. Seit dem wir dieses Projekt entwickeln, ist bei uns eine Begeisterung für diese Definition entstanden. Uns fasziniert die gesamte Pflanze an sich. Konkret arbeiten wir daran, die anfallenden Fasern, Holz und die Schalen weiter zu vermarkten. Die Produktion von Teilfertigprodukten oder Vorstufen für industrielle Partner sind Bestandteil gegenwärtiger Verhandlungen. Die Schale eignet sich durch eine einfache Verhüttung z.B. sehr gut für hochwertige Barbecue-Kohle oder Aktivkohle. Fasern finden aufgrund Ihrer technischen Besonderheiten zunehmend Verwendung in Verbundwerkstoffen. Zum Thema Fasern arbeiten wir aktuell mit der Hochschule Mittweida und dem Institut für Agrartechnik Bornim (ATB) in Potsdam zusammen. Obwohl wir noch eine kleine Institution sind, wird von Startweg in Forschung und Entwicklung investiert.
(Bild: Steffen Borzner misst mit einem Refraktometer den Zuckergehalt des Kokoswassers)

Nachhaltigkeit ist in aller Munde. Was macht ihr Projekt nachhaltig?

Vom Acker bis in das Regal, dass ist unser Konzept. Wir entwickeln eine Wertschöpfungskette, die es ermöglicht, dass auf jeder Ebene ein Teil der Werte dort verbleibt. So sind durch unsere noch jungen Aktivitäten z.B. in Mexiko gegenwärtig über 30 Arbeitsplätze entstanden. Wir nutzen eine Ressource, die es seit mehreren Millionen Jahren gibt. Durch unsere Aktivitäten werden keine bestehenden Urwälder abgeholzt oder neue Flächen gerodet. Von Beginn an verfolgen wir eine nachhaltige Nutzung der Kokospalmen und forsten Flächen direkt wieder auf. Hier arbeiten wir mit einer Palmbaumschule, die nach ökologischen Richtlinien Palmsetzlinge zieht. Alle Flächen, von denen wir grüne Kokosnüsse beziehen, werden nach den Richtlinien des ökologischen Landbaus bewirtschaftet und von Bioagricert zertifiziert. Die offen geführte Rechtsform der Aktiengesellschaft ermöglicht es allen interessierten Menschen, sich an der ökologisch und nachhaltig ausgerichteten Green Coco-Gruppe finanziell zu beteiligen. In eine Aktie von Green Coco zu investieren bedeutet, ein zukunftsträchtiges Unternehmen in der Startphase zu unterstützen und über die Wertsteigerung der Aktie am Erfolg des Unternehmens zu partizipieren. Auch diese Form der notwendigen Kapitalisierung haben wir uns im Vorfeld gründlich überlegt. Sie ist für uns eine der transparentesten und offensten Formen für Beteiligungen. Auch hat jeder Aktionär die Möglichkeit, über seine Beteiligung das Projekt aktiv mit zu gestalten.

Kokos-Plantagen sind ja in Verruf geraten, unfaire Arbeitsbedingungen und vor allem die skrupellose Ausbreitung der Anbauflächen, die zum Teil mit Vertreibungen der Einwohner einhergehen, werden angeprangert.

Nun, hier liegt ein Irrtum vor, der häufiger begangen wird. Bei dem von Ihnen angesprochenen Thema handelt es sich um Palmöl. Dieses wird aber nicht aus der Kokospalme (Cocos nucifera), sondern aus der Ölpalme (Elaeis guineensis) gewonnen. Das Öl dieser Palme wird in großem Mengen in der Lebensmittelindustrie, z.B. für Margarine, Backwaren und in Süßwaren, eingesetzt. Als Plattformrohstoff für die Energiewirtschaft spielt Palmöl bei der Herstellung von Biokraftstoffen wie Biodiesel und hydrierten Pflanzenölen eine wichtige Rolle. Die große Nachfrage nach der Ressource Palmöl führt zu einer sich über Millionen von Hektaren ausbreitende Plantagenwirtschaft und der damit einhergehenden Abholzung großer Regenwaldflächen. Dieser Sachverhalt wird von verschiedenen Akteuren von Umwelt- und Naturschutzorganisationen zu recht kritisiert und kontrovers diskutiert. Die Bewirtschaftung der von uns gepachteten Kokosplantagen wird ausschließlich ökologisch sein. Für jede Palme, die aus Ertragsgründen gefällt werden muss, werden zwei neu Setzlinge im Rahmen unserer Wiederaufforstung gepflanzt.

Vielen Dank für das Gespräch.

Weitere Informationen: www.greeen-coco.ch

12.07.2010

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