Primavera: Die Zeit ist reif für Neues

Autor: Karin Heinze

Der Spezialist für ätherische Öle aus dem Allgäu hat sich „gehäutet“: Die Produkte erscheinen seit Anfang 2009 in neuem Design und sind durchgängig mit dem Natrue-Label versehen. Im Frühjahr 2010 wird Primavera in ein neues Haus umziehen – eine zukunftsweisende Hülle für einen Naturkosmetik-Pionier mit höchsten Ansprüchen.

(Bild: Primavera- Produkte sind durchgehend mit Natrue gelabelt)

 

Sulzberg im Allgäu - die Berge sind in Sichtweite. Am jetzigen Sitz der Primavera Life GmbH kommt man zwar nicht in den Genuss, sie zu sehen, doch vom Neubau aus, im Nachbarort Oy-Mittelberg, ist die Aussicht fabelhaft und unverbaut. Die Fenster und die rund um den futuristischen Bau laufende Terrasse im Obergeschoss lassen den Blick in die Ferne schweifen. Das Licht durchflutete Gebäude, das ein wenig aussieht wie ein Tempel, ist nach Feng-Shui-Kriterien gebaut. „Es war hoch an der Zeit, dass wir uns unsere eigene, unserem Tun angemessene Umgebung schaffen, um unsere Visionen zu leben“, erklärt Firmenmitgründerin Ute Leube. Die alten Gebäude, in denen Primavera seit 1988 untergebracht ist, platzen zudem aus allen Nähten. Die Kosmetikproduktion musste zum großen Teil ausgelagert werden. Das soll sich mit dem Bezug des Neubaus, der im Mai 2010 geplant ist, ändern: Alles unter einem schönen und adäquaten Dach, das war das Ziel. Ausgenommen ist nur die Logistik, die bereits 2008 ein eigenes Gebäude bekam. Sie würde auch nicht so gut in den repräsentativen Bau von rund 8000 m² passen. (Bild: Die nach Feng-Shui-Kriterien gebaute Firmenzentrale von Primavera)

„Wir verstecken uns nicht mehr, wir wollen sehen lassen, was wir machen.“ Ute Leube ist begeistert von dem Bau, den ihr Geschäftspartner und Feng-Shui-Experte Kurt Ludwig Nübling maßgeblich entwickelt hat. Die Atmosphäre, die dieses Haus ohne Zweifel haben wird, steckt im wahrsten Sinne des Wortes im Detail: Zum Beispiel werden sieben Tonnen Bergkristall im Zement die Umgebung positiv aufladen, ein Erlebnisbereich mit Shop und Bühne im Foyer schafft neue Möglichkeiten für Einkauf, Fortbildungen, Kunst und Kultur. Im zweiten Obergeschoss ist die Büroetage angesiedelt, die in Form eines Nest & Network Office die Kommunikationsfreude fördern und 30 % Meetings einsparen soll. Oben, unter dem Flachdach, bietet sich eine grandiose Aussicht. Hier haben der Kreativbereich und Besprechungsräume ihren Platz. Der Herzpunkt in der Mitte des Gebäudes ist ebenfalls mit Edelsteinen aufgeladen, um die Ganzheitlichkeit und Synergien im Unternehmen positiv zu beeinflussen. Ein grünes Dach, Lichtlenksysteme und Energie aus Wind und Sonne sind baubiologische und energiesparende Details, die heute unverzichtbar sind, wenn man als Bio-Hersteller einen Nachhaltigkeitsanspruch hat. (Bild: Ute Leube und Kurt Nübling freuen sich auf den Umzug)

Die Primavera-Vision, Produkte zu entwickeln, die die Lebensqualität steigern, Sinn haben und etwas verändern, findet in dem neuen Haus eine Heimat. Doch nicht nur die Hülle wird neu geschaffen, die 130 Mitarbeiter haben intensiv an Inhalten und der Firmenphilosophie gearbeitet, jeder Leitsatz wird gerade auf den Prüfstand gestellt: Leben wir unsere Visionen? Gibt es Diskrepanzen? „Dieser Einsatz lohnt sich – damals wie heute“, sagt Leube. Der innere Zusammenhalt von Primavera wurde in Form der Firmenphilosophie bereits von 1990-1992 in einem gemeinsamen Prozess erarbeitet und wird bis heute von jedem Mitarbeiter mit dem Arbeitsvertrag unterschrieben. (Bild: Team der Marketingabteilung)

Die Firmenmitgründerin selbst ist auf Umwegen zum Thema ätherische Öle und Aromatherapie gekommen. Die gebürtige Berlinerin wollte eigentlich Medizin studieren. Während eines längeren USA-Aufenthaltes kam sie mit Pflanzenheilkunde in Berührung. Es entwickelte sich eine Faszination, die Schulmedizin trat in den Hintergrund. Nach der Rückkehr betrieb sie einen Naturkostladen in München und lernte beim Tun. „Erst fand ich die Idee der Raumbeduftung mit den ätherischen Ölen eher befremdlich“ erinnert sie sich, „doch dann habe ich mich in sie verliebt. Wir haben unglaublich viel ausprobiert und waren mehr und mehr begeistert von den sinnlichen Erfahrungen und von den erstaunlichen Wirkungen“. Heute bestätige die Forschung diese Erfahrungen und entdecke immer neue Perspektiven, die Aromatherapie wird zunehmend wissenschaftlich untermauert. „Doch das Potenzial der pflanzlichen Wirkstoffe ist noch lange nicht ausgeschöpft. Die Pflanzenextrakte, die ätherischen und die fetten Öle bergen noch viele heilsame und unterstützende Möglichkeiten“, ist Leube überzeugt, und sie ist glücklich über diese vielfältigen Geheimnisse. (Bild: Lavendelöl)

Vor fast 25 Jahren, nach dem Entschluss, sich dem Thema Aromatherapie und ätherische Öle intensiv zu widmen, war auch gleich klar:„Die Rohstoffe müssen bio und von bester Qualität sein.“ Am Anfang gab es wenig geeignete Ware. „Wir machten uns auf den Weg und suchten Anbauer, vom Dach der Welt im Himalaya bis nach Südamerika“. Heute haben viele Projekte den 20. Geburtstag mit Primavera schon hinter sich, wie das Rosenprojekt in der Türkei oder ein Projekt in Nepal, wo Tulsi, Lemongrass, Palmarosa und Citronella biologisch angebaut und ätherische Öle hergestellt werden. Froh ist Ute Leube in Zeiten des Runs auf Bio-Rohstoffe über die engen Beziehungen zu den Erzeugern. Engpässe seien zum Teil vorprogrammiert. Deshalb ist die Pflege der Projekte und die Sicherung der Rohstoffe eine sehr wichtige Aufgabe. Produktionsleiter Gerhard Benz ist auslandserfahren und das Bindeglied zu den Projekten. Einen positiven Aspekt beim Nachfrage-Boom für Bio-Rohstoffe gibt es: „Jetzt, wo große Firmen in die Naturkosmetik einsteigen, werden immer mehr Bio-Flächen benötigt, und eine Vision, die wir vor 30 Jahren hatten, wird ein stückweit wahr“, sagt Ute Leube. „Ein wunderbarer Effekt.“ (Bild: Das Rosenanbau-Projekt in der Türkei war eines der ersten)

Gleichzeitig ist sie überzeugt, dass Partnerschaft im Bio-Bereich nicht ohne Fairtrade zu machen ist. „Es passiert in diesen Beziehungen zu den Lieferanten viel mehr als das rein Geschäftliche“, ist Leubes befriedigende Erfahrung. Es sind vielfach freundschaftliche Beziehungen entstanden, und es haben sich interkulturell positive Entwicklungen ergeben. Dazu tragen auch die Kundenreisen bei, die Primavera anbietet. „Das ist das Highlight für unsere Kunden und unsere Erzeuger. Man lernt sehr viel voneinander, versteht anschließend das Produkt und die andere Kultur besser.“ Die Händler, die so eine Reise mitgemacht haben, seien nachher die besten Primavera-Botschafter. Kundenreisen sind das Sahnehäubchen auf dem vielfältigen Aus- und Fortbildungsangebot von Primavera. Etwa 5.000 Personen sind es jährlich, die Kurse, Schulungen vor Ort, in Deutschland und Österreich besuchen oder eine Ausbildung zum Aromaexperten absolvieren, die in Österreich mit einem anerkannten Diplom abschließt. „Begeisterung alleine reicht heute nicht mehr, wir brauchen Professionalität“, sagt Ute Leube. (Bild: Ute Leube)

„Leider werden wir oft nur mit ätherischen Ölen verbunden“, bedauert Ute Leube. Zwar ist das nach wie vor das Kerngeschäft (rund 600 Produkte) doch ist das Kosmetikangebot seit 2005 von 60 auf rund 120 Produkte angewachsen, Kabinenware kommt noch dazu. Der neue Auftritt seit der BioFach 2009 ist ein wichtiger Schritt, das Gesamtsortiment besser zu gliedern und sowohl an die Bedürfnisse der Verkaufsstätten als auch der Endkunden anzupassen. Primavera hat erstmals Ergebnisse eigener Marktforschung in den Relaunch einbezogen. Die Untersuchungen haben beispielsweise festgestellt, dass Verbraucher Naturkosmetik mit Schlichtheit, einer puren, einfachen Flasche, möglichst wenig Umverpackung und auch möglichst wenig Glamour verbinden. So präsentiert sich Primavera auch nach dem Relaunch: Pur, schlicht, umweltfreundlich, aber dennoch edel. Um mehr Übersicht zu schaffen, ist das Sortiment in drei Lebenswelten eingeteilt: Beauty, mit der Gesicht,- Spezial- und Körperpflege; Health & Wellness, in der die ätherischen Öle und Aromatherapie vereint sind, und schließlich Home, mit Duftmischungen und Airsprays. (Bild: Das breite Primavera-Portfolio spiegelt sich in verschiedenen Verkaufsregal-Typen wider)

Die neue Einteilung hat den Vorteil, dass das Angebot einfacher zu kommunizieren ist: „Wir haben ein klares Programm für verschiedene Einkaufsstätten“, erläutert Leube. Exklusiv für den ausgesuchten Fachhandel (NEH, Reformhaus) ist beispielsweise ein Regalvorschlag mit Beauty, Revitalisierung und Health & Wellness entwickelt worden. Insgesamt setzt Primavera zusätzlich auf den Aufbau von noch mehr Kompetenz und eine noch stärkere Partnerschaft mit dem Handel. „Wir raten allen, die nicht die Kompetenz haben, von unseren Sortimenten ab“, sagt Leube. Den größten Teil des Umsatzes, rund 75 %, macht Primavera im deutschsprachigen Raum. Etwa 25 % der für 2009/2010 (Geschäftsjahr ab Juli) angestrebten 20 Millionen Euro stammen aus dem Auslandsgeschäft mit EU-Ländern, Asien und den USA. (Bild: Produkte)

Gleichzeitig mit dem Verpackungsrelaunch hat Primavera einen weiteren mutigen Schritt unternommen: Als erste Firma hat das Gründungsmitglied der Interessenvertretung Natrue auf alle Produkte das Natrue-Label aufgebracht. 46 % tragen das Natrue-Gesicht mit drei Sternen für Bio-Kosmetik, 27 % zwei Sterne (mind. 70 % Bio-Anteil) und 27 % einem Stern. „“Wir wollten Einfluss nehmen auf die Gesetzgebung in Brüssel, um natürliche Rohstoffe zu sichern und um an einem europäischen bzw. weltweiten Standard für Naturkosmetik mitzuwirken“, umreißt Ute Leube die Ausgangssituation im Jahr 2007. „Wir haben als Naturkosmetik-Hersteller eine Verantwortung, die sich in den Natrue-Richtlinien darin ausdrückt, dass die Latte sehr hoch gelegt worden ist und man nicht den kleinsten gemeinsamen Nenner gesucht hat.“ Das dreistufige System sei zwar etwas kompliziert und sehr anspruchsvoll, doch transparent. Der Zuspruch vieler Handelspartner, auch aus dem Ausland, bestätige den Standard. Erst wollte man nur eine europäische Interessenvertretung schaffen, doch sei sehr schnell klar geworden, dass man um ein international einsetzbares Label nicht herumkommt. „Wir haben in kurzer Zeit sehr viel Aufmerksamkeit erzielt und sind auf einem guten Weg“, erklärt Leube, die im Natrue-Board sitzt. (Bild: Das Natrue-Zeichen ist auf jeder Flasche)

Den hohen Anspruch des Natrue-Labels hält Leube auch für wichtig angesichts der Tatsache, dass immer mehr Firmen auf den Naturkosmetik-Zug aufspringen. Etliche haben viel Geld im Hintergrund und Marktmacht auch im internationalen Business. „Die nächsten Jahre werden spannend, und wir müssen uns gut aufstellen“, meint Leube, die jedoch zuversichtlich in die Zukunft blickt. Hier schließt sich der Kreis: Neuer Auftritt, neue Produkte, neues Haus. „Wir unternehmen einige mutige Schritte“, erklärt Ute Leube. Sie weisen in Richtung Zukunft. Die Zeit war reif dafür.“

29.01.2010

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