Volltreffer: BioFach/Vivaness bekräftigten ihre Position als Weltleitmessen

Autor: Karin Heinze, Kai Kreuzer

Die Verbindung von Lebensfreude, Innovationskraft und Professionalität  zeichnete den am Samstag zu Ende gegangenen internationalen Branchentreff BioFach/ Vivaness einmal mehr aus. Diese Mischung zog über 44.000 Fachbesucher an, 25.000 kamen laut Messestatistik aus Deutschland, die Internationalität des Publikums stieg um 4 % auf 42 %. Mit dem Angebot in den neun Hallen waren die Besucher, nach Angaben der NürnbergMesse, vollauf zufrieden (97 %). Die guten Konjunkturaussichten für den Bio-Sektor spiegelten sich in der guten Stimmung der Messeteilnehmer wider und machten das Bio-Messeduo wieder zu einem Erlebnis. Über 2500 Aussteller aus 86 Ländern präsentierten sich im Nürnberger Messezentrum. Lesen Sie unsere detaillierten Berichte in Laufe der nächsten Tage. (Bild: Wasserbecken spiegelt die neue Eingangshalle im CCN Mitte)

 

Wer die Atmosphäre in den Hallen spürte, die Fakten aus dem deutschen Markt und aus aller Welt auf dem Begleitkongress hörte oder die spritzige Modenschau (Bild) mit peppig angezogenen Models sah, weiß, wohin die Branche zielt: Ökologischer Konsum wird in die Mitte der Gesellschaft getragen und soll zunehmend auch die jüngere Generation erreichen. Auch die Slogans und die Standpräsentation manifestierten eine gewachsene Professionalität. Die Nürnberger Doppelmesse zeigte deutlich, dass die Branche bereit und in der Lage ist, weitere Marktanteile zu erobern und den Bio-Umsatz kontinuierlich zu steigern. 80 % der Besucher von BioFach und Vivaness beurteilten die Bio-Konjunktur sehr positiv, so eine Umfrage der Messe.

Der Januar 2011 liefert hierfür bereits eine hervorragende Grundlage. Der Dioxinskandal zu Jahresbeginn führte nicht nur zu leer gekauften Eierregalen, sondern auch zu einer um 12 % höheren Kundenzahl, wie eine adhoc-Umfrage von der Unternehmensberatung Klaus Braun ergab. Der Umsatz lag im Einzelhandel sogar um 20 % über dem Vorjahreswert. In wieweit sich dieser Trend in den kommenden Monate wieder abschwächt, wird nicht zuletzt davon abhängen, was die neu hinzu gewonnene Kundschaft vom Fachhandel sowie seinen Produkten hält. Die vielen Innovationen (Bild) auf der Biofach und Vivaness werden das Angebot bereichern und dürften dazu beitragen, dass ein Teil der Kunden dem Fachhandel erhalten bleibt. 

Vollauf zufrieden mit dem Messeverlauf zeigte sich auch Claus Rättich, Mitglied der Geschäftsleitung der NürnbergMesse: „Vier Tage voller Leidenschaft für Branche und Produkte, für Zukunftskonzepte und Politik – die gute Stimmung im globalen Bio-Markt war auf dem Messegelände deutlich zu spüren. „Wenn man die Hallen betritt, funkt es, man wird inspiriert“, sagte Harald Wurm aus dem Vorstand des BNN-Einzelhandelsverbandes am letzten Messetag. „Die BioFach ist nach wie vor Pflicht für jeden Fachhändler.“ Durchgehend sehr positiv war das Fazit weiterer Aussteller und Besucher am Samstag in allen Hallen. Vielfach war zu hören, dass man insbesondere mit der Qualität der Kundengespräche überdurchschnittlich zufrieden war. Die Wichtigkeit der Branchenplattform schlug sich auch deutlich in der sichtbaren politischen Präsenz nieder: Über 100 Vertreter aus der internationalen Politik besuchten die BioFach/Vivaness. Außerdem fand dieses Jahr das erste regionale Agrarpolitikertreffen auf der Messe statt. „Hier gestaltet die Branche Ernährungsstile und die ökologische Zukunft unseres Planeten mit“, kommentierte Rättich. (Bild: Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner bei einem Rundgang über die BioFach, hier mit der Fernbedienung eines Mini-Luftschiffs in der Hand) 

Den FachhandelsTreff (Bilder) nutzten 1.500 Unternehmer zu Erfahrungsaustausch, Diskussionen und Teilnahme an Veranstaltungen. Rund 600 Besucher hatten sich für den FachhandelsClub registriert. Kritisiert wurde die räumliche Entfernung des FachhandelsTreffs von den Veranstaltungsräumen des Begleitkongresses und den Hallen mit überwiegend deutschen Ausstellern. Rund 8.500 Kongress-Teilnehmer informierten sich in 158 Veranstaltungen auf BioFach Kongress und Vivaness Forum. Den Themenschwerpunkt Welternährung diskutierten über 500 Kongressbesucher. IFOAM-Präsident Markus Arbenz bezeichnete den Kongress als das Herz der Messe. Die IFOAM gab wie jedes Jahr die globalen Biomarktzahlen bekannt: 2009 konnte der Bio-Weltmarkt ein bemerkenswertes Plus von rund 5 % verzeichnen und ein Flächenwachstum von 6 %. „Öko-Intensivierung“ auf allen Ebenen sei die Strategie der Zukunft, so Arbenz.

Bei der Podiumsdiskussion zum Schwerpunktthema der diesjährigen BioFach „Welternährung“ im Rahmen des neu geschaffenen Medientages am Vortag der Messe waren sich die Teilnehmer einig, dass Bio die Welt ernähren kann. Maria Rodale, Oberhaupt des amerikanischen Verlagshauses Rodale Inc. und Autorin  des Buches Organic Manifesto, erklärte, es gebe genügend Studien, die das beweisen. Eindringlich für den Wandel hin zu einem ökologischen Lebensstil plädierte Rodale auch in ihrer Rede während der Eröffnungsfeier am Mittwoch: „Unser Planet wird auch ohne uns weiter bestehen. Wenn wir Menschen hier überleben wollen, müssen wir dringend zum ökologischen Lebensstil übergehen.“
(Bild: Ein neuer, lichtdurchfluteter Raum im CCN Mitte für den Fachhandels-Treff)

Ambitioniert in Bezug auf die Unterstützung des Öko-Landbaus äußerte sich auch Dr. Jószef Àngyàn, Staatssekretär des ungarischen Ministeriums für ländliche Entwicklung. In seiner Rede, die mehrmals mit Zwischenapplaus bedacht wurde, stellte er heraus, dass die Verbreitung der ökologischen Landwirtschaft zu den wichtigen Aufgaben der agrarpolitischen Strategie während der EU-Ratspräsidentschaft Ungarns gehört. Unter anderem sagte er: „Europa trägt die Verantwortung für die Entwicklung einer nachhaltigen, umweltfreundlichen, an ökologische Bedingungen angepassten Agrarwirtschaft, für einen lebensnahen ländlichen Raum, für die Bewahrung seiner Werte und seiner Vielfältigkeit.“ Er ging auch auf die GVO-Problematik ein und betonte, dass der ungarische Vorsitz eine Verschärfung des gegenwärtigen Zulassungssystems anstrebt. Ebenso will Ungarn eine Wahlmöglichkeit der Mitgliedsstaaten in Bezug auf die Beschränkung oder Ablehnung von GVO-Pflanzen durchsetzen. (Bild: Saxophon-Kombo, gesponsert vom Land Nordrhein-Westfalen, bringt am Ende des Tages Pepp in die Messehalle)

Zur Eröffnungsveranstaltung in Nürnberg hatte Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner nur ihren Staatsekretär Dr. Robert Kloos geschickt. Immerhin erklärte sie dem Nachrichtendienst dpa, dass sie mit einem weiteren Bio-Boom rechne: „Es ist davon auszugehen, dass die Umsätze in der Branche in den kommenden Jahren weiter steigen werden“. Aigner fordert von den Ländern eine kontinuierliche Förderung und sagte der Branche weitere Unterstützung zu. Zusammen mit ihrem neuen Staatssekretär Peter Bleser stattete Aigner der BioFach am Freitag ihren Besuch ab. Sie musste sich der Kritik des BÖLW und der Tierschutzorganisation Peta stellen. „Tiere sind kein Aigner-tum“, mit dieser Parole protestierte ein als Huhn verkleideter Peta-Aktivist gegen Intensivtierhaltung. Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) kritisierte sowohl die im Laufe der Jahre um 11 % gekürzten Fördermittel für den Öko-Landbau als auch die Öffnung des Förderprogramms Ökologischer Landbau für Projekte, die sich gegen dessen Grundgedanken wenden, weil sie sich z.B. mit Gentechnik befassen. Aigner wies diesen Vorwurf zurück, berichtet Nordbayern.de: Die Erweiterung des Programms bedeute keine Schwächung, sondern eine Stärkung der Biobranche. (Bild: Besucherandrang am Eingang CCN Ost)

Das Nürnberger Messezentrum empfing die Besucher aus aller Welt dieses Jahr mit dem neu gestalteten Eingangsbereich Mitte (Bild oben rechts), der mit dem gigantischen Lamellendach ein Gefühl von weltstädtischer Großzügigkeit vermittelt. Auch die Eingangshalle ist komplett umgebaut: Bistro, Ruhezonen mit Wasserflächen und neue Räumlichkeiten begrüßten den Besucher. Im nächsten Jahr wird die BioFach vom 15. bis 18. Februar 2012 stattfinden. Es wird nach zwei Jahren Pause wieder ein Land des Jahres geben: Der Vertrag mit Indien wurde während der BioFach unterzeichnet (Bild mit NürnbergMesse-Geschäftsführer Bernd A. Diederichs).

21.02.2011

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