Autor: Kai Kreuzer
Die Vermarktung von Schnittblumen und Blumenzwiebeln aus biologischem Anbau wächst langsam, aber kontinuierlich. Inzwischen sind es rund 150 Stauden- und Zierpflanzengärtner in Deutschland, die häufig schon seit Jahren die Vermarktung über Naturkostläden, Bio-Supermärkte und auf Wochenmärkten betreiben. Wir porträtieren in diesem Artikel den Blumenzwiebel-Erzeuger Peter Timmerman nördlich von Amsterdam, der pro Jahr eine halbe Million Blumenzwiebeln verkauft.
Begeistert steht das Mädchen im Blumenfeld und genießt den Duft der Blumen. Kurz darauf sieht sie Annelies Timmerman (42), die notwendige Arbeiten im Tulpenfeld vornimmt und läuft auf sie zu, um sie zu begrüßen. Frau Timmerman erklärt die verschiedenen Sorten und ihre Eigenarten: Neben Tulpen werden Narzissen, Hyazinthen, Krokus, Schneeglöckchen, Muskari (Traubenhyazinthen), Iris und Märzenbecher angeboten, die entweder direkt bei Timmermans oder auf Nachbarbetrieben angebaut werden. Alle Blumenzwiebeln bzw. die Betriebe sind zertifiziert von Skal und tragen das niederländische EKO-Zeichen.
Farbenmeer, das die Sinne berauscht. Die Farbenpracht und der blaue Himmel reichen, soweit das Auge blickt. Gut 1000 Besucher kommen pro Jahr zur Familie Timmerman auf den Hof. Einmal war es sogar Königin Beatrix, die innovative, landwirtschaftliche Betriebe besichtigte.
umgestellt auf Bio-Anbau. Als zweites Standbein bauten die Timmermans eine Haltung mit inzwischen 130 Rothirschen (Bild) für die Fleisch- und die Geweihvermarktung auf. Fünf Ziegen werden für das Abgrasen und Freihalten der Wassergräben, die es zwecks Entwässerung überall gibt, gehalten.
Der Aufwand für Anbau und Vermarktung sind erheblich: Jede Pflanze wird in der Saison sechs bis sieben Mal angesehen. Sie darf keinen Befall von Tabakmosaikvirus, Tulpenmosaikvirus oder von Botrytis aufweisen. Alle Pflanzen, die nicht ganz sortentypisch sind oder von einem Virus befallen sind, werden ausgerissen und entfernt. Der Bestand muss vollständig sortenrein sein, was man am besten bei der Blüte sieht. Ganze Streifen in gelb, rot, violett oder rosa stehen nebeneinander. Mit dem scharfen Blick des Tulpenzüchters wird in langsamem Schritt durch die Pflanzung gegangen und alles überprüft. Im konventionellen Anbau hätte man schon lange die chemische Keule eingesetzt und auf diesem Weg die Krankheiten bekämpft.
„Alle zehn Tage wird in der konventionellen Blumenzwiebelerzeugung gespritzt“, weiß Timmerman. Nicht zu Unrecht ist die herkömmliche Erzeugungsweise wegen hohem Pestizideinsatzes sowie der Verunreinigung des Grundwassers in Verruf geraten. „Unsere Pflanzen sind viel robuster und daher für den Biogarten geeigneter, da die schwachen und kranken Pflanzen ausgemerzt werden, anstatt sie chemisch zu behandeln.“ Außerdem hatten sie mehr Zeit zum wachsen als bei den konventionellen Kollegen.
Kunden – die Hausgärtner in Europa, aber auch in den USA. Früher bauten die Timmermans 15 verschiedene Sorten an, heute sind es bereits 46. Ende 2007 konnten die übrigen Sorten von dem ausscheidenden Betrieb von Wim Postema, der einige Kilometer weiter lebt, übernommen werden. Postema ist ein Pionier der biologisch-dynamischen Blumenzwiebelerzeugung. Er organisiert heute über seine Firma Ecobulbs den Versand von Kleinmengen an Endabnehmer.
den Anbau von Zwiebeln und Schnittblumen, andererseits hat sich über Jahrzehnte und sogar Jahrhunderte eine Vermarktungsstruktur entwickelt, die einen effizienten Absatz in alle Welt ermöglicht. Man denke nur an die bekannten Blumenauktionen in Alsmeer.
Selbst nach USA liefert Timmerman in regelmäßigen Abständen. Der Bio-Versand Organic Bouquet in Kalifornien sowie Sunvalley Flowers vermarkten die beliebten Knollen an Verbraucher und Hausgärtner.
Tipp: 25.11.2009