Soja aus Brasilien für deutsche Bio-Hersteller

Autor: Karin Heinze

An der Sojabohne scheiden sich die Geister. Sie ist zum einen Symbol für gesunde und vegetarische Ernährung, zum anderen die Parade-Kultur der Gentech-Lobby. Brasilien ist sowohl Lieferant für Bio-Soja als auch für gentechnisch veränderte Bohnen. Das Schweizer Fairtrade-Unternehmen Gebana ist seit über zehn Jahren in Brasilien aktiv und sichert gemeinsam mit seinen Vertragsbauern gentechnikfreie Bio-Qualität. Die Ware geht zum größten Teil an deutsche Naturkosthersteller. (Bild: Cesar Colussi will die Produktion ausbauen)

 

Die Nachfrage nach Bio-Soja ist groß: Gebana Brasil könnte 10.000 Tonnen Bio-Sojabohnen im Jahr vermarkten. Aber nur etwa 3500 Tonnen konnten die gut 300 Vertragsbauern im brasilianischen Bundesstaat Paraná in der Saison 2008 ernten, etwa gleichviel wird aus anderen Regionen zugekauft. Die ungewöhnliche Trockenheit während der Vegetationsperiode machte den Betrieben in der Gegend von Capanema in der Nähe des Iguassu-Nationalparks zu schaffen. Die Bohnen brachten nicht den erwarteten Ertrag. (Bild: Die staubfeine, rote Erde in der Gegend um Capanema trocknet schnell aus)

Das ist tragisch, denn Soja ist die wichtigste Kultur der Bauern dort. Die Umstellung auf biologischen Anbau und die Zusammenarbeit mit Gebana hat vielen eine Zukunftsperspektive gegeben. Zum einen liegen die Preise für Bio-Soja 40 % bis 50 % (Demeter-Ware) über denen für konventionelle Ware. Zum anderen ist in dieser ländlichen Gegend, außer in der Landwirtschaft, kaum Arbeit zu finden. Viele der 300 Familienbetriebe arbeiten schon seit Anfang an (2002) mit Gebana zusammen. Doch eine Reihe von Bauern hat sich schon lange davor, aus Liebe zur Umwelt und zur Natur, für den biologischen Anbau entschieden. (Bild: Gebana-Zentrale in Capanema)

Der Partner der Bauern ist die Schweizer Fairtrade-Firma Gebana mit Hauptsitz in Zürich. Vor mehr als zehn Jahren, 1998, fing Gebana in Paranà an, mit den Familienbetrieben im Dreiländereck Argentinien, Paraguay, Brasilien die Bio-Soja-Vermarktung und den Export nach Europa aufzubauen. Gebana ist in den 70er Jahren aus der Bananenfrauen-Bewegung um die engagierte Schweizer Pfarrerin Ursula Brunner entstanden. Der Verein und später die Aktiengesellschaft (Gebana: gerechte Bananen) stehen seit über 30 Jahren für den gerechten Handel mit Drittweltländern, und zu den Bananen kamen viele andere Produkte hinzu. Neben Brasilien hat die Gebana Niederlassungen in Burkina Faso, Togo und Tunesien. (Bild: Die Zusammenarbeit mit Gebana schafft Perspektiven für viele Familienbetriebe. Einige arbeiten noch mit einfachsten Mitteln)

Die Höfe (Bild) rund um die Kleinstadt Capanema sind kleinstrukturierte Mischbetriebe (Ackerbau, Vieh) mit 10 ha bis maximal 80 ha Betriebsfläche (durchschnittliche Sojafläche unter 10 ha). Sie liegen verstreut in der hügeligen Landschaft, deren prägendes Merkmal die superfeine rote Erde ist. Tierra Colorada nennen sie die Einheimischen. Der Boden ist fruchtbar: Mais, Soja, Tabak, Mate und Weizen gedeihen hier, zwei Kulturen pro Jahr sind üblich. Allerdings gibt es viele Steine und zum Teil sehr hängige Lagen. Doch in den letzten Jahren spielt das Klima verrückt: Ungewöhnlich heftige Regenfälle haben in letzter Zeit starke Erosion verursacht, hohe Temperaturen im Frühjahr und lange Trockenperioden haben den Bauern übel mitgespielt. Gemeinsam mit dem Gebana-Berater Eduardo Marttioli Rizzi und Aldenir César Colussi, dem Leiter der Gebana-Vermarktungsfirma „Cataratas do Iguaçu Produtos Orgânicos“. suchen die Bauern nach Lösungen, um dennoch gute Ernten einzubringen. (Bild: Gemeinsam versuchen Berater und die Bauern, die Probleme in den Griff zu bekommen, links: Eduardo Marttioli)

Eduardo besucht die Betriebe häufig, er ist mit den Problemen vertraut. Die Erosion und das schnelle Austrocknen des Bodens will er durch Vorkulturen in den Griff bekommen, die kurz vor der Aussaat der Sojabohnen umgebrochen werden, um die Erde bedeckt zu halten. Bei seinen Besuchen auf den Höfen und bei Treffen der Bauern wird ausgiebig über die neue Methode diskutiert. Die extra für diesen Zweck konstruierte Walze wird ausprobiert. Die Zeit drängt, denn nach den Regenfällen ist die Erde bei Temperaturen über 30° C schnell zu trocken für die Keimung. Für die Jahreszeit, Frühjahr (Anfang November) ist es schon wieder viel zu heiß. (Bild: Die neue Maschine muss sich noch im Praxistest beweisen)

Die Klima- und Erosionsprobleme sind deutlich sichtbar. Das weitaus größere Problem in Bezug auf den Bio-Anbau ist jedoch nicht mit bloßem Auge zu erkennen – die Gentechnik ist heimtückisch.
Gentechnische Kontamination der Bohnen droht durch Stäube bei der Ernte und beim Transport. Noch ist die Zahl der Bauern in der Umgebung, die sich für „transgenico“ entschieden haben, überschaubar. Demeter-Bauer Celso Prediger berichtet, dass sich nur einige Bauern von Beratern zur Aussaat von GVO-Soja haben überreden lassen. Die Sorten hätten sich bislang jedoch nicht bewährt, sodass etliche wieder abgesprungen sind. (Bild: Celso Prediger ist zuversichtlich, dass GVO-Soja nicht die Oberhand gewinnt)

„Die meisten Nachbarn konnten wir vom Wert des biologischen Anbaus überzeugen“, erzählt er. Celso, der böhmische Vorfahren hat und noch einen deutschen Dialekt spricht, hat Anfang der 80er Jahre Land geerbt und sich mit seiner Familie etwa 15 km von Capanema entfernt angesiedelt. Seit 1987 arbeitet er biologisch-dynamisch. Der Betrieb (ca. 30 ha) ist vielseitig: Rinder, Schafe, Ackerbau, Obst und seit einigen Jahren einen kleinen Weinanbau nennt der Demeter-Bauer sein eigen. Für ihn ist die Kooperation mit Gebana sehr wichtig. Sein Motto „Menschen, die zusammenarbeiten, wachsen“ Er ist überzeugt, dass sich noch mehr Bauern für den Öko-Landbau gewinnen lassen und dass der biologische Anbau eine echte Zukunftschance ist.
(Bild: Demeter-Bauer Vili Hofmann bewirtschaftet mit seiner Frau und seinem Sohn den Hof; im Bild die Enkelkinder)

„Bislang sind es allerdings noch nicht genügend Bio-Bauern“, wie Gebana-Projektleiter César Colussi erklärt. Er würde die Bio-Soja-Fläche von bisher 2400 ha gerne auf 4000 ha für den Soja-Anbau ausdehnen, um die steigende Nachfrage zu bedienen. „Natürlich auch, um die Kapazitäten der Reinigungs- und Verarbeitungsanlage, die Gebana in der Kleinstadt Capanema betreibt, auszulasten“, sagt er. Derzeit gehen 90 % der Ernte in den Export, doch mit wachsendem Bio-Binnenmarkt steigt auch die heimische Nachfrage. Weitaus wichtigster Soja-Abnehmer ist bislang der deutsche Tofu-Hersteller Life Food Taifun in Freiburg. Der Großteil des Soja-Lezithins, das Gebana ebenfalls herstellt, ist für die Schokoladen des deutschen Bio-Pioniers Rapunzel bestimmt. Soja-Öl wird an die Kosmetikfirma Body Shop geliefert sowie an brasilianische Lebensmittelhersteller. (Bild: Aldenir César Colussi)

Der Rohstoff Soja wird optimal ausgenutzt. Gebana bietet neben den ganzen Sojabohnen Mehle, Öl und Lezithin, die Reste gehen in die Bio-Kraftstoff -und Futtermittelindustrie. Seit drei Jahren stellt Gebana Lezithin her, um auch dieses begehrte Spezialprodukt anbieten zu können. Eine Tonne Soja liefert 12 -15 % Öl, daraus wiederum lassen sich 3 % Lezithin gewinnen. Doch die Veredlung lohnt. Wenn nach und nach eine neue proteinhaltigere Sojabohnen-Sorte in den Anbau eingeführt ist, wird zwar die Verölung abnehmen, doch soll dann die Lezithin-Ausbeute noch besser ausfallen. „Wir sind ständig dabei, unsere Technologie im Anbau zu verbessern“, erklärt Eduardo. Er ist derjenige, der den Bauern neue Methoden und Know-how vermittelt. Cesar, der die Zentrale in Capanema aufgebaut hat, ist ebenfalls an stetiger Professionalisierung interessiert. Er setzt sich außerdem dafür ein, dass bei Expansion der Produktion auch der Binnenmarkt zum Zuge kommt: Mittelfristig will er gerne 30 % für den heimischem Markt produzieren, 70 % sollen in den Export gehen. (Bild: Die Lager sind gut gefüllt, doch die Nachfrage übertrifft das Angebot)

Der Aufwand, den Gebana betreibt, um die Qualität zu sichern, ist enorm. Eigenes Bio-Saatgut, frei von gentechnisch veränderten Bohnen, steht am Anfang der Qualitätssicherungskette. Nach der Ernte werden die Sojabohnen separiert und auf gentechnische Verunreinigungen untersucht. Von jeder Partie wird eine Rückstellprobe für das Traceability-System gezogen. Nach Reinigung und Trocknung erfolgen eine Größen- und Qualitätsspezifikation sowie die Einlagerung bis zur Verschiffung. Mit 70 % des Umsatzes gehört Soja zum weitaus wichtigsten Produkt der Gebana in Capanema. Darüber hinaus liefern die Bauern der Kooperative auch Weizen und Mais. Zu den vorrangigen Aufgaben zählt César die Gewährleistung der Gentechnikfreiheit der Ware. (Bild: Soja-Bohnen-Rückstellproben sichern die Rückverfolgbarkeit)

Seit einiger Zeit sind Verhandlungen zwischen Gebana und der Landesregierung von Paraná im Gange, um am Iguassu-Nationalpark eine gentechnikfreie Zone zu schaffen. Gemeinsam mit Life Food, dem Iguassu-Nationalpark, der Regierung von Paraná und der holländischen Stiftung DOENS wird im Januar ein erstes Teilprojekt dazu gestartet. Damit wird sich das Risiko für Verunreinigungen für die Biobauern beträchtlich verringern. Brasilien ist neben den USA weltweit zweitgrößter Sojabohnen-Produzent und galt bis Anfang 2000 als offiziell gentechnikfrei, der Anbau war verboten. Weil jedoch durch den Schmuggel und illegalen Anbau von gvo-Saatgut Tatsachen geschaffen worden waren, legalisierte die brasilianische Regierung schrittweise den Anbau. Die Verbreitung nahm rapide zu. Innerhalb von wenigen Jahren dehnte sich der Anbau bis 2007 auf über 14 Millionen Hektar aus (65 % der Gesamtsojafläche). Andererseits erkennen die Regierungen von Brasilien und des Bundesstaates Paraná immer mehr, dass sie sich mit der Zulassung der gentechnisch veränderten Saaten keinen Gefallen getan haben. Die oben beschriebenen Bestrebungen sind ein Schritt in die richtige RIchtung, und man kann nur hoffen, dass sich weitere Regionen in Sachen gentechnikfreiem Anbau engagieren. (Bild: Die Gebiete am Nationalpark sollen gentechnikfrei bleiben)


(Bild links: Eduardo und César begutachten die Vorbereitungen für Soja-Aussaat)


(Bild rechts: Gebana-Berater besuchen die Bauern vor Ort)

30.12.2009

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