Autor: Karin Heinze
Mit vierzig ging Karl Egger nach Italien. In den dreißig Jahren danach hat er in der Toskana mit LaSelva einen ökologischen Vorzeigebetrieb geschaffen und inmitten der intensiven Landbau-Region Maremma viel für Landschaftsschutz und Biodiversität getan. Die italienischen Spezialitäten aus eigener Erzeugung, die vor allem in den Export gehen, erfreuen sich großer Beliebtheit. LaSelva ist eine starke Marke und gleichzeitig die einzige deutsche Naturkostfirma, die in Italien die gesamte Wertschöpfungskette für ein umfangreiches Sortiment abdeckt. 2010 feiert La Selva ihren 30. Geburtstag.
An der toskanischen Küste des tyrrhenischen Meeres, zwischen Grosseto und Orbetello (auf halbem Weg zwischen Florenz und Rom), hat der Münchner Karl Egger 1980 Land erworben. Er fing klein an, mit sieben Hektar und dem Wunsch, im Einklang mit der Natur und nicht gegen sie, gutes, geschmackvolles Gemüse anzubauen. Heute umfasst die Azienda Agricola LaSelva 430 Hektar, rund 320 Hektar werden landwirtschaftlich genutzt: Getreide (100 ha), Grünland und Futterbau (180 ha) für Rinder (Fleischproduktion), Schafe sowie rund 35 Hektar Gemüse, vor allem Tomaten (25-30 ha), 22 Hektar Wein und fünf Hektar Obst. Der Großteil der Ernte wird in zwei eigenen Verarbeitungsbetrieben zu Halbfertigprodukten, Spezialitäten der Marke LaSelva und private Label wie beispielsweise Alnatura Origin verarbeitet.
2010 gibt es einen besonderen Grund zum Feiern auf LaSelva – das 30 jährige Jubiläum der Firma. „Dreh- und Angelpunkt im Jubiläumsjahr wird eine kleines Projekt sein, das wir in Kooperation mit den Naturkostläden oder -märkten durchführen, die von LaSelva und unserer Idee überzeugt sind“, erklärt Daniela Braun, die in Italien für das Marketing zuständig ist. Als Dankeschön an treue Kunden werden das ganze Jahr über in den Läden ausgewählte Produkte in einem speziellen LaSelva Display zu erstaunlichen Preisen angeboten. „Alle zwei Monate werden die Produkt wechseln, und natürlich sind auch für das Jubiläum neu entwickelte Artikel dabei, so dass es immer wieder eine Überraschung gibt“, verrät Daniela Braun. Eine Premiumlinie im Bereich der Antipasti wird auf den Markt kommen. LaSelva bietet zur Feier des Jubiläumsjahres Verkostungen unter dem Motto: „Gemeinsam italienisch genießen!“ an. Außerdem ist ein Gewinnspiel vorgesehen und eine Jubiläumsbroschüre, die in allen Naturkostläden und Bio-Supermärkten verteilt wird. Darin soll die Entstehungsgeschichte von LaSelva in Erinnerung gerufen und die Prinzipien des Betriebs illustriert werden. Denn, so Braun: „LaSelva lässt sich mit Fug und Recht zu den Öko-Pionieren zählen, und Karl Egger war mit seinen Ideen und seinem Einsatz wegweisend für den Ökolandbau und die Herstellung von Bio-Feinkost.“
Seit 1981 ist LaSelva Naturland-Mitglied und wird seit 1992 auch durch die italienische Organisation ICEA nach EU-Richtlinien zertifiziert. Karl Egger, selbst kein Landwirt, hat in Zusammenarbeit mit den Beratern Dr. Storhas und Dr. Ceretelli während der Aufbauzeit des Betriebes ein ökologisches Bewirtschaftungssystem entwickelt, das die klimatischen und geografischen Gegebenheiten in der Region berücksichtigt. Der lokalen Landbautradition in den trocken gelegten Sumpfgebieten der Maremma entspricht das nicht immer. Doch hat Egger es geschafft, die Behörden davon zu überzeugen, dass die Schaffung von Biotopen in der ausgeräumten Landschaft sowohl der Landwirtschaft als auch der Umwelt zugute kommt. Die bestehenden schmalen Hecken wurden mit heimischen Baum- und Straucharten sowie Obstgehölzen aufgeforstet und bieten heute Vögeln und Nutzinsekten Unterschlupf. In Kürze soll ein 1000 m ² großes Feuchtbiotop entstehen, das den ursprünglich in dem Landstrich heimischen Sumpfschildkröten, Amphibien und anderen rar gewordenen Tieren eine neue Heimat bietet.
„Wir haben kaum Schädlingsprobleme, weil es uns gelungen ist, die Natur ins Gleichgewicht zu bringen. „Dann weiß sie sich selbst zu helfen, wenn eine Überpopulation an Schädlingen auftritt“, sagt Egger, dessen Leidenschaft für Landbau und Naturschutz man spürt. „Nehmen die Blattläuse überhand, helfen uns Marienkäferlarven, diese Schädlinge einzudämmen.“ Manchmal sei es zwar ein Nervenspiel, doch bislang ist der Betrieb sehr gut mit dieser Strategie beraten gewesen, so wenig wie möglich einzugreifen, erklärt Egger. „Die Naturschutzmaßnahmen, die größtenteils pfluglose Bodenbewirtschaftung, die konsequente Gründüngungs- und Kompostwirtschaft machen sich bezahlt“, ist er überzeugt.
Stolz ist Egger auch auf die Mutterkuhherde (Bild) von weißen behornten Chianini-Kühen, die in der Gegend heimisch sind. Die älteste Rinderrasse Mittelitaliens kommt sehr gut mit den Sommertemperaturen zwischen 30 und 35 Grad zurecht und liefert neben dem für den Betrieb wichtigen Mist ein schmackhaftes Fleisch, das auf Vorbestellung im Hofladen vermarktet wird. Die kleine Herde seltener Apennin-Schafe (70 Muttertiere) ist ein Beitrag zur Biodiversität. Die 1000-köpfige Herde des Schäfers Luigi Farina beweidet zusätzlich Grasland und die abgeernteten Flächen von LaSelva und trägt damit zur Düngung bei. Aus der Milch macht Farina Bio-Pecorino-Käse, der wiederum über LaSelva vermarktet und exportiert wird.
„Wir wollen ehrliche Produkte machen. Das gelingt uns mit besten frischen Zutaten aus eigener Ernte, die nach traditionellen Rezepturen ins Glas kommen und unverfälschten Genuss bieten.“ Dieser Grundsatz von Karl Egger spiegelt sich im LaSelva-Sortiment wider. Monika Maier ist seit zehn Jahren für die Verarbeitung und die Qualitätssicherung auf LaSelva zuständig. Sie kümmert sich um die Produktionsplanung, die Rohstoffe und die optimale Qualität der Produkte. In den Sommermonaten werden beispielsweise zweimal wöchentlich frische Basilikumblätter geerntet, gewaschen und nach kurzer Trocknungszeit sofort weiterverarbeitet. Ebenso handwerklich, auf kleinen halbautomatischen Anlagen, stellt man Gemüsecremes, verschiedene Sorten feiner Würzsaucen für die typisch Italienische Küche, getrocknete Tomaten und diverse Antipasti aus gegrilltem Gemüse (Bild) und Fruchtaufstriche her.
Die großen Produktlinien wie Tomaten-Polpa und Salsa Pronta (von 25- 30 ha Tomatenanbau) werden auf einer modernen Anlage in Donoratico verarbeitet. Jährlich verlassen über fünf Millionen Gläser und Flaschen Tomatensauce das Band in der nahen Fabrik. Das Sortiment wird jährlich um neue Spezialitäten ergänzt. Zu den Basisprodukten aus Tomaten sind in den letzten Jahrzehnten diverse Tomatensaucen und Pesto-Variationen gekommen. Das Feinkostsortiment wird ergänzt durch süße und salzige Gebäcke, Balsamessige, Olivenöle, Honig und Kaffees, die LaSelva von Kooperationspartnern herstellen lässt. Auch dabei, wie auf dem eigenen Betrieb, steht der Ansatz einer fairen Handelskultur im Vordergrund.
Wichtiges Standbein des Unternehmens ist der Weinbau und die Kellerei. Obwohl der Weinbau in der Gegend Tradition hat, wird die Gegend erst jetzt durch die DOCG-Morellino-Weine bekannt. Der Kellermeister Roland Krebser kümmert sich seit sieben Jahren darum, den LaSelva-Weinen Bekanntheit zu verschaffen. Mit vielen Internationalen Prämierungen, z. B. bei der BioFach, ist ihm das bereits gelungen. Reben gibt es seit den Anfangsjahren von Karl Eggers Betrieb, die professionelle Weiterverarbeitung begann 2000 mit der Fertigstellung der Cantina. 22 Hektar eigene und einige Hektar zugekaufte Trauben werden gekeltert. Heute verlassen rund 180.000 Flaschen Rotwein und 20.000 Flaschen Weißwein die Cantina LaSelva (Bild).
Roland Krebser ist sehr zufrieden mit der Entwicklung der Nachfrage. Der Schweizer aus der Gegend von Zürich stellt fest, dass seit etwa drei Jahren nicht nur die Nachfrage von Konsumentenseite, sondern auch das Interesse der konventionellen Winzer für den biologischen Weinbau stark steigt: „Die merken einfach, dass die Qualität der Weine besser ist.“ Der Aufwand sei freilich auch größer. Das beginnt bereits beim Anbau ohne chemisch-synthetische Spritzmittel. Der Einsatz von Kupfer wird so gering wie möglich gehalten. Die Weinlese erfolgt - mit bis zu 25 Personen - ausschließlich von Hand. „Die Lese von Hand ist für die Qualität des Weines ausschlaggebend, definitiv besser als die maschinelle Ernte, aber natürlich hat sie auch ihren Preis“, betont Krebser. Die Trauben, die anschließend in Edelstahltanks und in Barriquefässern ausgebaut werden, liefern acht charakterstarke Weine.08.02.2010