Autor: Kai Kreuzer
Bislang tut sich die Gastronomie noch schwer, im Vergleich zum Lebensmitteleinzelhandel ein qualifiziertes Bio-Angebot auf die Beine zu stellen. Im vergangenen Jahr haben zwei neue Bio-Restaurants in München eröffnet, die auf Anhieb ihre Kundschaft gefunden haben. Zwei völlig unterschiedliche Konzepte, die beide zum Erfolg führen. Beide entsprechen dem heutigen Lifestyle: Das eine sachlich, nüchtern, design-orientiert, das andere im gemütlichen individuellem Ambiente. Teile der Einrichtung wurden aus wunderschönen heimischen Hölzern maßgeschreinert. Bio deluxe ist die Kernaussage von Daylesford Organic. Italienisch genießen, die Herkunft kennen und lieben lernen, die von L'Amar. (Bild: Gast läßt sich frisch gepressten Orangensaft im Cafe L'Amar schmecken)
Dinah Constantinidis (Bild) lächelt verlegen, wenn man ungläubig ihrem Lebenslauf zuhört. Die 31-Jährige kommt aus Zypern, ging im Jahr 2000 nach Großbritannien, um dort TV- und Theaterproduktion zu studieren und dann in diesem Metier zu arbeiten. Zusammen mit ihren Mann zog sie vor zwei Jahren nach München, um dort ein Bio-Restaurant im Stil und mit Produkten von Daylesford Organic (wir berichteten) zu eröffnen.
sollen im Franchisesystem folgen, für Deutschland, Korea, Dublin und Tokio hat sie die Lizenzen schon in der Tasche. Für Spanien, Frankreich und Schweden seien Pläne für Conceptstores vorhanden, versichert die Jungunternehmerin. Ein Online-Shop ist im Aufbau begriffen, ebenso der Weitervertrieb von Daylesford-Produkten an andere Feinkost- und Naturkostfachgeschäfte. Die bescheiden wirkende Dinah Constantinidis hat noch viel vor!
Auch die Ladenpräsentation und das Erscheinungsbild des neuen Münchener Daylesford-Geschäfts wurden einer Prüfung unterzogen. Die Restaurants von Daylesford sind eine Mischung aus Laden und Restaurant. Es gibt Feinkost-Marmeladen und weitere Zutaten zum Frühstück , , Dressings, Säfte, Nudeln aus der Produktion des Daylesford-Biohofs westlich von London im Angebot. Alles in Bio-Qualität. Insgesamt sind es rund 300 Artikel der Daylesford-Marke, darunter auch einige aus dem Non-Food Bereich: Seifen, Shampoos, Lotionen und einzelne Öko-Textilien wie Handtücher und Kinderkleider. Nützliche Accessoires für Haus und Garten ergänzen das ausgefallene Sortiment. "Vor allem zu Weihnachten oder zu Geburtstagen werden unsere ausgefallenen Produkte gerne gekauft und verschenkt", so die Bistro-Laden-Betreiberin.
Das Ambiente ist in Weiß und verschiedenen hellen Tönen gehalten, in einigen der fünf englischen Läden setzt man auf Marmor in der Ladenausstattung vor Regalen, Theken und Tischen. Nicht so in München: auch dort sind die Regale und Tresen aus hell lasiertem Holz, aber hier dominiert eher der rustikale Ansatz (Bild), den man bei Daylesford kultiviert: Ein stil- und genussvolles Landleben auf höchstem Niveau. Dazu passt die Philosphie, Lebensmittel unbeeinflusst von chemisch-synthetischen Behandlungsmitteln zu erzeugen, schonend zu verarbeiten und mit besonderen Rezepturen die Kunden vom guten Geschmack zu überzeugen. Ein umfangreiches Programm an Seminaren und Kursen in England in der "Cooking and Farmingschool" leistet Bildungsarbeit und vermittelt den Verbrauchern den Kontakt zu den Wurzeln der Lebensmittelerzeugung auf dem Schaubauernhof mit Bio-Restaurant in der Ortschaft Daylesford in der Grafschaft Gloucestershire.
Bio-Gastronomie-Lieferant Epos mit Sitz nördlich von München regelmäßig geliefert. "Alle in der Küche eingesetzten Produkte kommen aus der Umgebung", freut sich Dinah Constantinidis. Herrmansdorf gehört jedoch nicht zum Kreis der Lieferanten.
werden am Counter vor den Augen der Kunden frisch gepresst und gleich serviert (Bild). Bis zu 50 Personen gleichzeitig könnten einen Sitzplatz an einem der hohen Naturholz-Tische oder an der langen Bar finden.
Verschiedene Angebote sind auf unterschiedliche Ansprüche und Interessen zugeschnitten: Mittags gibt es einen Businesslunch für 10,90 Euro, am Samstagmorgen einen Brunch mit Preisen zwischen 5,90 Euro und 12,50 Euro. Bei den Preisen gibt es nicht viel Spielraum, gibt Constantinidis zu. Im Gegensatz zu Frankreich und Großbritannien sind deutsche Verbraucher an ein sehr niedriges Preisniveau in der Gastronomie gewöhnt. Daher ist es besonders schwierig, ein frisch zubereitetes und hochwertiges Angebot noch dazu in Bio-Qualität zu gewohnten Preisen anzubieten. Dennoch ist Dinah Constantinidis zuversichtlich, den Spagat zwischen Verkaufspreisen und laufenden Kosten erfolgreich bewältigen zu können.
"Wir bieten Vier-Gänge-Menüs am Abend mit Reservierung, aber auch einen Antipasti-Teller für zehn Euro", erklärt Roberto Rossello, der zusammen mit seiner Frau Irmgard (Bild) das Restaurant führt. Zwei Köche und zehn Aushilfen sorgen für die frisch zubereiteten Speisen und die zügige Bedienung. Im Münchner Szeneviertel Glockenbach wird das Bio-Feinschmeckerlokal zunehmend beliebt. Zur Verfügung stehen insgesamt 140 m² Fläche, wovon der Gastraum 50 m² ausmacht. Den Rest teilen sich Küche und der ausgebaute Gewölbekeller. Bis zu 150 Gäste kommen an Freitag-, Samstag- und Sonntagabenden. Sie kommen einfach nur zum Frühstücken, zum genussvollen Lunch, zum kultivierten Essen oder um eine der Veranstaltungen mit Verkostung zu besuchen. Wichtig ist für Roberto Rossello immer die Geschichte hinter dem Produkt. "Unsere Abende zu Wein und Essig waren sehr schnell ausgebucht“, freut sich der 55-Jährige. Werbung wird im Stadtmagazin Prinz gemacht, oder es erscheinen Artikel über das angesagte Bio-Restaurant wie z.B. in der Zeitschrift "Essen und Trinken". In den Online-Portalen Muenchen.de und in "Schlemmerregion Bayern" ist das Lokal ebenfalls zu finden. Auch immer mehr Slow Food-Mitglieder schätzen die Arbeit von Irmgard und Roberto Rossello, kommen zum Einkaufen und Essen. Mittagsmenüs sind für preisgünstige 7,90 - 9,90 Euro zu haben.
Neben dem Restaurant führt das Unternehmerpaar unter dem Namen greenlotus GmbH & Co KG einen Importhandel mit Bio-Feinkost aus Italien. Die Waren werden nicht nur im Laden des Restaurants vertrieben, sondern schwerpunktmäßig über den Naturkostgroßhandel und die Bio-Supermarktketten Vollcorner und Grüner Markt. Italienische Salamis, Parmaschinken und der Balsamico Villa Frantoni, der seit über 19 Jahren im Naturkostfachhandel eingeführt ist, sowie bio-zertifizierte Trüffel, Oliven, getrocknete Tomaten, Sardellenfilets, OlivenÖle, Carnaroli-Reis sind nur einige der Erzeugnisse, die unter dem Namen greenlotus GmbH & Co Kg importiert werden. "Mich interessiert die Ursprünglichkeit und Biodiversität, die hinter jedem der Erzeugnisse steckt", bekennt Roberto Rossello, der früher Mitinhaber der Bio-Supermarktkette Grüner Markt war.
Obwohl es in der Münchener Pestalozzistraße, wo sich das Lokal befindet, noch ein weiteres Dutzend gastronomischer Betriebe gibt, konnte sich das Bio-Angebot gut behaupten. Die Münchner Gockenbach-Klientel weiß Qualität zu schätzen!26.07.2010