Autor: Karin Heinze
Der Verein Rettet den Regenwald e.V. hat eine Online-Unterschriften-Aktion gestartet, die das Projekt GoGreen der Deutschen-Post-Tochter DHL brandmarkt. Einige Naturkostunternehmen nutzen die angeblich klimafreundliche Art des Postversandes. Die politisch unabhängige Umweltorganisation, die sich für die Bewohner des Regenwaldes und ihre Lebensräume einsetzt, prangert hingegen den Feldversuch der DHL an, in dem 10 Lkw drei Jahre lang mit hydriertem Palmöl fahren. Nach Berechnungen werden diese Fahrzeuge etwa 3,3 Mio. Kilometer zurücklegen und dabei 700.000 Liter Palmöl verbrauchen. Das Palmöl kommt aus Südostasien, wo für die neue boomende Nachfrage nach „Bio-Sprit“ die Regen- und Torfwälder abgeholzt werden, um Palmölplantagen zu pflanzen.
Lieferant des Palmöl-Diesels ist der finnische Mineralölkonzern Neste Oil, der gerade die weltgrößte Palmölraffinerie in Singapur baut und in Rotterdam und Finnland zwei weitere plant, berichtet Rettet den Regenwald. Die Rohstoffe kommen aus Monokultur-Plantagen der IOI-Gruppe auf Sumatra und Borneo – bereits 150.000 Hektar Wälder wurden in Plantagen umgewandelt. Für die von DHL benötigte Palmölmenge bedarf es mindestens 160 Hektar Anbaufläche Der Verein Rettet den Regenwald hat ausgerechnet, dass jeder Hektar brandgeroderter Wald 3452 Tonnen des Treibhausgases CO2 freisetzt. Man müsste 423 Jahre Ölpalmen dort anbauen, um das CO2 wieder zu neutralisieren.
„Pflanzenöle und andere Nahrungsmittel gehören auf den Teller und nicht in den Tank“, fordert die Umweltorganisation. Der Agrospritboom ist einer der Hauptverursacher des Anstiegs der Nahrungsmittelpreise und hat weltweit den Hunger verschärft. Bereits mehr als eine Milliarde Menschen hungern, heißt es auf der Website.
Die DHL hingegen wartet mit ersten Ergebnissen des Pilotversuchs „mit Kraftstoff aus nachhaltiger Produktion“ auf: Seit Mitte 2008 sind in Deutschland 14 Mercedes-Benz Serien-Lkw und Busse im Einsatz, die ausschließlich mit dem nachhaltig produzierten Dieselkraftstoff NExBTL fahren und bereits über eine Million Kilometer zurückgelegt haben. Der Feldtest zeigt, dass bei der Verbrennung des aus hydrierten Pflanzenölen (HVO) hergestellten Dieselkraftstoffs im Motor deutlich weniger Schadstoffe ausgestoßen werden. So sinken zum Beispiel die Stickstoffemissionen um bis zu 15 %, heißt es vonseiten des Unternehmens. Positiv ist insbesondere die CO2-Gesamtbilanz: Vom nachhaltigen Anbau des im Pilotversuch verwendeten Rohstoffs Palmöl über dessen Verarbeitung bis zum Einsatz im Fahrzeug sinken die CO2-Emissionen um mehr als 60 %
im Vergleich zu fossilen Kraftstoffen.
20.10.2009