Die Staatsanwaltschaft Bielefeld erhebt
Anklage gegen den Geflügelhändler Berthold Franzsander aus Delbrück, berichtete die
Lebensmittel Praxis. Ihm wird vorgeworfen, falsch deklariertes Bio-Geflügel in Umlauf gebracht zu haben (
wir berichteten). Der Vorwurf laute gewerbsmäßiger Betrug, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Klaus Pollmann, und bestätigte damit einen Bericht des
Westfalen-Blatts.
Franzsander soll drei Jahre lang
konventionelle Ware zugekauft und einen Teil mit 25 % Aufschlag als Bio-Geflügel verkauft haben. Der Gesamtschaden wird auf rund 1,3 Mio. Euro beziffert. Laut Zeitung war Franzsander bis vor kurzem der größte deutsche Bio-Geflügelhändler. Der Betrug sei Ende 2008 durch den Zukauf großer Mengen konventionellen Geflügelfutters aufgeflogen, sagte Pollmann. Zudem sei in beträchtlichen Mengen auch konventionelle Frischware gekauft worden. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass etwa die Hälfte der zugekauften Ware als Bio-Geflügel weiterverkauft wurde. Insgesamt habe es 685 Abnehmer gegeben. Unklar sei, wer falsch deklariertes Geflügel bekommen habe, sagte der Staatsanwalt. Dem Bericht zufolge wurden acht Jahre lang aus Delbrück auch Öko-Puten und Bio-Hähnchen an die Münchener Braterei
Ammer geliefert worden. Nachdem der Betrug aufgeflogen war, erstatteten
Bioland und Ammer Strafanzeige.
Berthold Franzsander hat die
Anklage zurückgewiesen und prüft eine Schadenersatzklage gegen das Land Nordrhein-Westfalen in Höhe eines Jahresumsatzes von acht Millionen Euro, berichetet das "
Westfalen-Blatt". Franzsander sagte, das Landesamt für Natur, Umwelt und Naturschutz habe aus Futtermittelkontrollen falsche Schlüsse gezogen und seine Firmen in den Ruin getrieben. Ähnlich wie andere Bio-Betriebe habe auch er eine Ausnahmegenehmigung zum Zukauf von konventioneller Ware gehabt.