Alnatura will künftig Tariflöhne bezahlen

Autor: Karin Heinze

 

Die Aufregung nach einem Bericht der taz über die Entlohnung der Mitarbeiter bei Alnatura war groß. Eine Reihe von Zeitungen nahm das Thema auf. Die Gewerkschaft gab sich empört darüber, dass ausgerechnet die Bio-Handelskette einen Teil seiner Beschäftigten unter Tarif.bezahlt (wir berichteten).

Die stellvertretende Vorsitzende der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi), Margret Mönig-Raane, forderte in der Frankfurter Rundschau die Biobranche auf, ihre Leute besser zu bezahlen und sich dabei an den geltenden Tarifverträgen zu orientieren. Es gebe überhaupt keinen Grund, sich anders zu verhalten. Bei den meisten Unternehmern des Biobereichs handele es sich angesichts des Booms der vergangenen Jahre um florierende, gut verdienende Firmen. Es sei deshalb eine "Selbstverständlichkeit", dass Unternehmen, die im Geiste von Nachhaltigkeit oder Gesundheit agierten, "ihre Mitarbeiter nicht kurz halten".

Alnatura hat nun angekündigt, dass zukünftig niemand mehr unter Tarif bezahlt werden soll. In einer Unternehmensmitteilung heißt es: "Alnatura Mitarbeiter sollen kein Einkommen unterhalb des Tariflohns bekommen. Wir prüfen aktuell unsere Daten und werden die Fälle korrigieren, die nicht unserer Leitlinie entsprechen." Außerdem heißt es in der Erklärung "Das Unternehmen Alnatura ist nicht tarifgebunden. Unsere Einkommensordnung orientiert sich an Eckpunkten des Tarifsystems, aber spiegelt es nicht in jedem Detail. Lehrlinge beispielsweise erhalten ein höheres Entgelt, als es die Tarifverträge vorsehen."  
(Erklärung von Alnatura).

Alnatura hatte in einer neuen Berliner Filiale einer Kassiererin statt den tarifvertraglich geltenden knapp 13 Euro trotz Berufserfahrung nur 9,73 Euro gezahlt, der niedrigste bezahlte Lohn für ungelernte Kräfte lag sogar bei nur 7,50 Euro. Das sind 16 Prozent unter dem geringsten Gehalt, das ver.di und der Arbeitgeberverband für die Hauptstadt festgelegt haben. (dpa/ddp)

Allerdings sind mehr als 90 Prozent der Einkommen bei Alnatura, laut der Qualitätsbeauftragten Manon Haccius in der Größenordnung der Tarifverträge und das Einkommensgefüge des Unternehmens sei nur schwer mit dem Tarifrecht zu vergleichen. Nicht Alter und Berufsjahre seien ausschlaggebend für die Bezahlung bei Alnatura, sondern Verantwortung, Leistung und Qualifizierung, so Haccius in der Frankfurter Rundschau.

Niedrge Löhne in der Naturkostbranche waren schon Anfang des Jahres Thema gewesen. Doch halten sich die Firmen gerne bedeckt, was die Lohnstrukturen im Unternehmen angeht. Laut FR liegt der Lohn bei Basic (nach Angaben der Firma) "im Durchschnitt auf Tarifniveau". Nur für die sieben Prozent Ungelernten, meist auf 400-Euro-Basis beschäftigt, rangiere er tiefer. Die Berliner BioCompany bezahlt anfangs 8,33 Euro, später liegen die Löhne zwischen elf und zwölf Euro. Dazu gibt es die Möglichkeit einer betrieblichen Altersvorsorge und eines Einkaufsgutscheins im Wert von 50 Euro pro Monat. Dennree hat noch nicht Stellung genommen.

Laut Tarifvertrag sollte eine gelernte Fachkraft nach acht Jahren rund 2060 Euro verdienen, das entspricht.einem Stundenlohn von etwa 13 Euro  Die Tarifbindung ist noch nicht flächendeckend üblich. Laut dem Institut für Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen unterliegen in Ostdeutschland nur etwa 30 Prozent der Beschäftigten im gesamten Einzelhandel der Tarifbindung.

12.04.2010

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